Patrizia Geiß, Psychotherapeutin im Lorettahof stellt ihr erstes Buch vor

11. November 2010 vom SOZIALKONZEPT Seniorenpflegeheim Lorettahof
Schlagworte: , , , ,

Patrizia Geiß, geboren 1965, lebt in Idar-Oberstein und ist Entspannungstrainerin, Reikimeisterin, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Autorin. Sie arbeitet als Leitung des sozialen Dienstes im Sozialkonzept Lorettahof, ist verheiratet und hat vier Töchter.

Mit der lyrischen Form der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen (ICD 10) hat sie die Aufspaltung von Wissenschaft und Kunst in ihrem Buch „Psychische Störungen“ wieder vereint.

Dr. Bernd P. Laufs (Chefarzt der Psychiatrischen Abteilung des Klinikums Idar-Oberstein) sagte in seiner Eröffnungsrede zu ihrer Lesung , dass die staubtrockene enzyklopädische Beschreibung in der ICD 10 auf wohltuende Art und Weise in sprachliche Form gegossen sei, dass in einprägsamen und lebensnahen Bildern die ansonsten abstrakte Syndromatik der psychischen Störungen beispielhaft veranschaulicht werde und dass die Vielfalt der Symptome, die Kriterien, die gestörten Denk- und Verhaltensweisen in den lyrischen Beschreibungen wunderbar zur Geltung kommen.

Pathologische Brandstiftung (Pyromanie)

Ein Mann – ein Streichholz in der Hand
denkt in der Wann’: Ich hab noch nichts verbrannt!
Ein famoser Gedanke, der reicht,
um Ideen zu bekommen, wie leicht.

Ich gehe in die Natur und spiele nur ein wenig,
ich nehme diese Schnur und verbrenn sie wie ein König.
Denn ein Feuer hab ich heute gemacht noch keins,
das ist meine Philosophie – mein Lebens-ein-mal-eins.

Schwupp, war er raus aus der Wann’
und stand im nächsten Moment schon unter der Tann
Ich liebe diese Farben: Orange, Gelb und Rot.
Ich muss sie jetzt sehen, oh welche Not!

Ich erlebe die Farben mit allen Sinnen.
Kann dem Erleben so viel abgewinnen.
Ich spüre die Wärme, sie ist so zart.
Sie verfängt sich sogar im Stoppelbart.

Ein Streichen des Zündholzes in seiner Hand,
der Duft von Schwefel vor ihm, wie eine Wand.
Betörend dieser Moment, gleich ist es so weit,
ich höre schon das Knistern weit und breit.

Die Schnur, sie lodert und brennt gleich ganz doll.
Ich schmeiße sie weg, dann brennt mehr – wie toll!
Die Anspannung ist gleich vorbei und vorüber.
Erleichterung breitet sich aus und ich lache drüber.

Wie schön ist es, das lockende Feuer zu betrachten!
Mit allen Sinnen kann ich nach dem Höhepunkt schmachten.
Nun aber nichts wie weg, sonst muss ich ins Gefängnis rein.
Wer betrachtet dann das kleine Feuerlein?

Wenn die Feuerwehr anrückt, ist es beglückend anzusehen.
Beißender Drang wird am nächsten Streichholz sich vergehen.
Ich kann gar nicht anders, als Feuer zu legen.
Kein Motiv bringt mich dazu, diese Gedanken zu hegen.